Gamingberufe im Fokus #1 “Illustrator” – Interview mit Rob Leuchtenberger
Von Martin Eichler • 28. Jul 2010 • Kategorien: Berichte, Gamingberufe im Fokus
Dies ist die erste Ausgabe von vielen. Jeden Mittwoch erscheint hier auf dem Wheel of Games Journal ein neuer Artikel, zu einem neuen Beruf.
Wer hat noch nie davon geträumt: Eigene Grafiken oder Konzeptzeichnungen zu erstellen und diese im späteren Spiel in Form von Landschaften, Objekten oder Charakteren wieder zu entdecken? Wie sich das anfühlt weiß einer ganz genau: Rob Leuchtenberger, selbst Illustrator von Beruf, nahm sich freundlicherweise Zeit, um mit uns ein Interview zu führen. In elf Fragen durchleuchten wir das Berufsbild des Illustrators, erörtern was es heißt, Illustrator zu sein und welche Aufgaben und Hürden den angehenden Illustrator in seinem Beruf erwarten.
WoG: Wie bist Du auf die Idee gekommen „Illustrator“ zu werden?
Rob: Dies war sicher keine Idee von heute auf morgen, sondern eher eine kreative Entwicklung. Schon als Kind und Jugendlicher habe ich ständig gebastelt oder gezeichnet. Es war später nur noch eine Entscheidungsfrage, den Weg als Hobby oder Beruf weiterzugehen.
Was macht eigentlich ein „Illustrator“ genau? Was muss ich mir darunter vorstellen?
Rob: Ein Illustrator zeichnet, entgegen dem freien Künstler, welcher eher Kunst aus dem Bauch heraus macht, Auftragsarbeiten nach Anweisungen. D.h. Er bekommt Briefings wie z.B.„Designe ein Logo für einen Tierpark“, „Zeichne ein Buchcover für den Roman X“ oder „Skizziere neue Charaktere für ein Spiel“ usw. Nach dem Studieren der Hintergrundinformationen legt der Illustrator dann los alles zu visualisieren – vom Scribble bis zur Reinzeichnung.
Gibt es eine spezielle Ausbildung zu Deinem Berufsbild und welche Kernqualifikationen muss man unbedingt mitbringen? Worin liegen vielleicht die Schwierigkeiten bzw. welche Hürden gilt es zuvor zu nehmen?
Ausbildungen:
Es gibt Studiengänge zum Illustrator oder verwandte Studiengänge, wie zum Grafik-Designer – beide mit Diplomabschluss. Der Mediengestalter ist ein Ausbildungsberuf. In all diesen Ausbildungs-Studiengängen lernen die angehenden Designer/Illustratoren zu gestalten und mehr oder weniger alles zum Thema Druckvorstufe oder Anwendungsprogramme.
Kernqualifikationen:
Zeichentalent oder Gestaltungstalent, Ausdauer.
Hürden:
Hiervon gibt es eine Menge, denn grundsätzlich werden viele kreative Jobs seitens der Auftraggeber falsch eingeschätzt, was z.B. Aufwand oder Kosten angeht. Leiden tun darunter häufig die Grafiker / Illustratoren, welche dann Überstunden anhängen dürfen.
Wann kommt der „Illustrator“ während der Entwicklungsphase eines Computerspiels zum Einsatz und worin liegen seine Aufgaben? Was passiert genau, wenn ein neues Projekt ansteht? Arbeiten „Illustratoren“ im Team oder sind sie auf sich allein gestellt? Gibt es mehrere“ Illustratoren“ an einem Projekt?
Der Illustrator zeichnet die ersten Visualisierungen nach schriftlichen Beschreibungen (Concept Arts). Er kann desweiteren für die Erstellung von Texturen (Oberflächen) eingesetzt werden, wie z.B. die rostige Rüstung eines Kriegers oder die moosige Mauer einer Ruine.
Letztlich steht gegen Ende eines Spieleprojektes die Erstellung eines Covers an. Bei größeren Spieleproduktionen sitzen auch mal mehrere Illustratoren an einem Projekt. In diesem Falle werden Aufgaben verteilt, wie z.B. Erstellung aller Waffen, Erstellung der Häuser oder Erstellung der Landschaften, je nachdem wo die Stärken der Artists liegen. Ein Art Director oder Lead Artist koordiniert die Arbeitsschritte.
Wie sieht die Ausbildung eines „Illustrators“ genau aus? Arbeitet man in der heutigen Zeit überwiegend nur noch am PC oder wird man noch in den klassischen Künsten unterrichtet (Zeichnen, Fotografie, Malen auf Leinwand mit Acryl- oder Ölfarben usw.) und wie wichtig sind diese für grafische (virtuelle) Arbeiten an einem Computerspiel?
Ohne PC sind kaum professionelle Jobs zu bewältigen für den modernen Illustrator. Traditionelle Werkzeuge werden z.T. noch in Grundsemestern behandelt. Eine Sache die, ohne Frage, schön ist vom Handling. Doch für den Mainstream des Bereiches Grafik und Illustration sicher kein Muss heutzutage. Eine Ausnahme bildet hier das Bleistiftzeichnen, welches noch viel, auch parallel zum digitalen Arbeitsplatz, Anwendung findet sowie das reine Aquarellieren für Kinderbücher.
Daran anknüpfend: Was sind deine Arbeitswerkzeuge?
Hardware: PC, Notebook, Wacom Grafiktablett, Cintiq – Touchscreen Monitor, Headset, A3 Scanner, Drucker, Fax
Software: Photoshop, Z-Brush, Internet – Browser
Traditionelles: Zeichenkarton, Bleistiftsortiment
Wie sieht der Arbeitsalltag eines “Illustrators“ aus?
Kaufmännisches: E-Mails, Korrespondenzen, Telefonate, Rechnungen und Überweisungen prüfen/erstellen, Zeit-und Kostenkalkulation für Weiterbildungen prüfen Betriebswirtschaftliche Auswertungen vorbereiten für das Steuerbüro usw.
Administratives: Rechner aufräumen, Datensicherungen, Installationen, Updates usw.
Akquisition: E-Mails, Korrespondenzen, Telefonate, Werbemaßnahmen prüfen, Kundenbetreuungen, Angebote schreiben, Meetings besuchen, Messeauftritte vorbereiten usw. Alles zusammen ca. 65-75 %
Illustration und Design: (ca. 25-35 %).
Was macht Dir an Deinem Beruf am meisten Spaß?
25-35 % …
Mit welchen anderen Teams arbeitet man als „Illustrator“ in der Entwicklungsphase eines Spiels noch zusammen?
Mit Game-Designern, Programmierern, Projekt-Managern und kreativen Leads.
Wie wird der Beruf des „Illustrators“ durch neue Entwicklungen der Branche beeinflusst? Was hat sich beispielsweise in den letzten fünf Jahren im Berufsbildverändert?
Es gilt, sich den Anforderungen anzupassen und das bedeutet ein größeres Spektrum anzubieten. Dinge müssen heute schön aber auch bezahlbar sein. Verändert hat sich in der Spielbranche, dass sich immer mehr Spezialisten einfinden und weniger Quereinsteiger. Es müssen zudem immer mehr Programme beherrscht werden.
Zum Schluss: Worin liegt Deiner Meinung nach die Herausforderung am Beruf des „Illustrators“? Was ist vielleicht besonders schwierig? Wie wird sich der Beruf vielleicht in Zukunft entwickeln (Stellenwert, Aufgabenbereiche, etc.)?
Der Job ist von A-Z eine einzige Herausforderung, was nicht bedeutet, dass er nicht extrem viel Spaß bereiten kann. Er ist aber nichts für Menschen, die mit einer Herausforderung nichtumgehen können oder scheu sind. Als Angestellter vielleicht nicht immer so sehr – als Freiberufler auf jeden Fall. Illustrator zu sein bedeutet auf der einen Seite, einfühlsame Artworks mit Liebe und Leidenschaft zu gestalten und auf der anderen Seite, knallharte Verhandlungen zu führen, gute Preise auszuhandeln und gnadenlos Mahnungen mit Mahngebühren auszustellen.
Ich selbst möchte nichts anderes mehr machen als an vielen interessanten Projekten mitzuarbeiten und schöne Artworks zu erstellen. Mann wächst in jeder Hinsicht über sich hinaus und wird ein wenig zu dem, was man zeichnet. Künstler, Designer, Artists, Illustratoren, Concept-Artist – es wird sie immer geben. Doch sie werden immer kämpfen müssen und es nicht leicht haben – das ist z.T. ein gesellschaftliches Problem, hängt aber auch mit der Seele des Künstlers zusammen. Man wird sie immer achten, sie werden immer einen hohen Stellenwert haben und doch hin und wieder ausgebrannt auf dem Abstellgleis enden.
Vielen Dank, dass Du Dir trotz Deines engen Terminplans Zeit für unser Interview genommen hast. Weitere Informationen zu Rob Leuchtenberger und seine Arbeiten findet ihr auf seiner Webseite Robscreations.
Auch nächste Woche Mittwoch starten wir mit einer weiteren Folge unserer Jobvorstellungen aus der Gamesbranche durch. Dieses Mal mit Falko Löffler, der uns den Beruf des „Storytellers“ näher bringen möchte. Ihr habt noch Fragen oder möchtet Feedback zum Artikel abgeben? Dann besucht doch unser Forum auf http://forums.wheel-of-games.com und schreibt eure Meinung zum Artikel.
Martin "Xathaes" Eichler
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Sehr interessanter Einblick in praktische Anforderungen. :) Klingt total busy, der Job, aber abwechslungsreich!
Schönes Interview, hört sich wirklich etwas stressig an, wär wohl nichts für mich :D Mich persönlich würde auch eher Sound Design interessieren, vielleicht kommt das ja auch noch. Wenn ihr das noch nicht eingeplant habt, schlage ich das hiermit vor xD Denn wie schon die Jungs von SWTOR in einem Friday Update meinten: nichts beeinflusst die Stimmung in einem Spiel mehr als die Musik! Und da gebe ich ihnen absolut recht!!